Rose

Von Tabea Mathern (Fotos) und Mario Münster (Text).

Ruby Barber hat ihren bespoke Flower-Service Mary Lennox aus Sydney über New York nach Berlin gebracht. Bericht von einer Begegnung samt Fotostory zum Thema „Frühlingsstrauss“.

image

Als Ruby Barber das Café betritt, in dem wir zum Gespräch verabredet sind, verschwindet sie beinahe vollständig hinter einer riesigen Wolke aus weißem Pergamentpapier. Im Inneren dieser Wolke schwebt eine einzelne langstielige auberginefarbene Blume, deren Blätter winzige Zacken haben. Ruby bringt ein kleines Geschenk mit – sozusagen als Visitenkarte. Als Mann bekommt man selten Blumen geschenkt, insofern bin ich hoch erfreut. Noch mehr Spaß macht es, dieses Kunstwerk dann auf dem Rückweg durch Neukölln zu balancieren und die belustigten Blicke der Passanten zu beobachten. Langer weißer Mann trägt lange lila Blume. Herrlich.

image

Ruby Barber betreibt in Berlin mit „Mary Lennox / Bespoke Flowers“ so etwas wie ein High-End Blumen-Business für alle, die es individuell und besonders mögen: Maßgefertigte Blumen-Arrangements vom kleinen Strauß bis zur temporären Installation. Aufgewachsen ist Ruby in Sydney. Über eine Zwischenstation in New York kam sie der Liebe wegen nach Berlin und arbeitet nun mit viel Leidenschaft daran ihr Geschäftsmodell auch hier zum fliegen zu bringen.

image

Geschäftsmodell klingt nach Masterplan. Den gab es jedoch nie. Ruby hat Innen-Architektur studiert, verliebte sich unterwegs aber in die Welt der Blumen. Sie begann damit Freunde und Bekannte mit Blumen zu versorgen, dann kamen die ersten Anfragen für Dinner-Partys oder Hochzeiten und plötzlich war ihr klar, was sie machen will. Die Nachfrage über word of mouth war so groß, dass sie fünf Jahre lang nicht mal eine Visitenkarte hatte. Wozu auch, wenn sie zur Begrüßung immer eine Blume mitbringt?!

image

Wer besser verstehen will, was Rubys Arbeit mit Blumen von dem unterscheidet, was einem der Blumenladen um die Ecke bietet, der muss sich auf den Gipfel der von Distinktion getriebenen Konsumleidenschaft junger Städter begeben: Bier von Mikro-Brauereien, von Hand gefilterter Kaffee, Slow-Food Ciabatta, Sandwiches mit korrektem Schweinefleisch, das länger bei Niedrigtemperatur gart als Massenschweine Lebenszeit haben. In dieses Spektrum passt Mary Lennox / Bespoke Flowers. Aus den einfachen Dingen mit Leidenschaft und Professionalität etwas besonderes machen.

image

Rubys Kunden sind gleichwohl sehr unterschiedlich: Es gibt Privathaushalte, die sie regelmäßig mit Blumen beliefert. Supper-Clubs und Events stattet sie mit passenden Arrangements aus. Und natürlich Hochzeiten – die Königsdisziplin in Sachen Blumen. Für solche Hochzeits-Jobs fliegt sie noch immer regelmäßig nach New York. Auch weil Blumen bei diesen amerikanischen Hochzeiten traditionell eine wichtigere Rolle spielen und entsprechende Budgets für farbenfrohe Landschaften vorhanden sind.

image

Womit Ruby in Berlin noch hadert ist die Verfügbarkeit wirklich einzigartiger und hochwertiger Blumen. In Sydney und New York arbeitete sie mit zahllosen kleinen Farmen zusammen. Hier muss sie gegenwärtig einen Teil ihrer Blumen im Großmarkt einkaufen. Darüber hinaus bepflanzt sie aber in bester Guerilla-Manier einzelne grüne Ecken in der Stadt für ihre Zwecke und  seit wenigen Tagen hat sie ihren ersten eigenen kleinen Garten direkt neben dem frisch bezogenem Atelier.

image

Ruby Barber strahlt in jeder Sekunde genau die leicht ungläubige Faszination für das Berlin dieser Tage aus, die so viele Expats teilen. Das Gefühl, dass gerade jetzt hier etwas möglich ist und etwas passiert. Ohne den täglichen Überlebenskampf, den man aus New York oder London kennt. Dass Menschen wie Ruby gleichzeitig aber auch der Stoff sind, aus dem diese Faszination und diese großartigen Tage hier erwachsen, habe ich vergessen ihr zu sagen. Das werde ich nachholen.

 

Über Tabea Mathern:
Tabea Mathern arbeitet als Fotografin und Künstlerin in Berlin und Toronto. Sie beobachtet, fügt neu zusammen, sucht nach Geschichten und schafft dabei wunderschöne Bilder. Für ROSEGARDEN fotografierte sie bereits eine  Bilderserie zum Thema Pop-Up.
www.tabeamathern.de

Titelfoto. © Tabea Mathern, 2014.

Was meinst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Go top