Rose Interview Mikrofon
Dialog statt Monolog: Das Projekt kunstunddialog hat sich auf dialogische Kunstführungen spezialisiert. Aktuell kann man das bei der Biennale in Venedig ausprobieren. Wir haben mit Antje Lielich-Wolf, Initiatorin des Projektes gesprochen.

Die Situation ist wahrscheinlich nicht unbekannt: Man betrachtet als Otto-Normal-Verbraucher Kunst und findet sie irgendwie schön oder interessant oder gar berührend. Wissen tut man aber so rein gar nichts über Werk und Künstler und für ein Kunstgeschichtestudium ist es meist doch etwas spät.  Die Lösung ist dann leider oftmals eine monologische Führung, die einen ratloser zurücklässt als man vorher eh schon war.

So nicht bei kunstunddialog. Das Institut für Kunstvermittlung und Weiterbildung kunstunddialog baut auf Interaktion zwischen Besuchern und Mitarbeitern der Kunstvermittlung. Besonders ist in den Workshops von kunstunddialog die individuelle Herangehensweise an ein Kunstwerk. Es wird einem Zeit für Diskussion und Erörterung gelassen, sodass im Rahmen der Ausstellung das Kunstwerk gemeinsam erarbeitet werden kann. Grundlage für das „dialogische Führen“ ist das Sokratische Gespräch nach Leonart Nelson. Diese nicht autoritäre und philosophische Art der Gesprächsführung veranlasst einen durch sich selbst zum Erkenntnisgewinn.

Copyright: kunstunddialog.

Copyright: kunstunddialog.

Bei der diesjährigen Biennale in Venedig haben Besucher, Erwachsene und Kinder  vor Ort die Chance Kunst durch die Kulturvermittlung von kunstundialog zu erleben und kennenzulernen. ROSEGARDEN hat Antje Lielich-Wolf von kunstunddialog  zu dem Projekt befragt.

Antje, warum braucht Kunst Dialog?

Insbesondere zeitgenössische Kunst ist interpretationsoffen, die Wahrnehmung der Betrachter sind heterogen und vielfältig. Nur im Dialog können unterschiedliche Ansichten und Wahrheiten geklärt und verstanden werden.

Fallen dir drei Begriffe ein, die eine dialogische Führung von einer „normalen“ Führung unterscheiden?

Gleichwertiges Wissen, wertschätzend, angstfrei.

Ihr bietet bei der Biennale in Venedig dialogische Führungen an. Was können die Teilnehmer erwarten?

Einen sehr persönlichen Rundgang, mit Zeit für  individuelle Interpretation, Zugänge, Dialoge und Erkenntnisgewinn. In den Führungen wird auf das Interesse, aber auch die Widerstände und Bedenken gegenüber der Kunst in gleichem Maß eingegangen.

Touren bei der Biennale für Kinder bietet ihr auch an – wie erklärt man Kindern eigentlich Kunst?

Man erklärt Kindern nicht die Kunst, besser man erlebt sie zusammen – oder man lässt sich inspirieren und macht  zusammen selber Kunst.

Ist eine dialogische Führung eigentlich immer die klassische Pralinenschachtel? Du fängst an und hast keine Ahnung, was kommt?

Ja, das kann sein. Eine dialogische Führung ist ergebnisoffen. Die Gruppe, die Kunst, die Atmosphäre, die Ideen –  alles beeinflusst das Setting. Daher ist alles möglich und alles veränderbar. Es lässt Spielraum für Querverweise, Hintergründe, Bedenken, Bewunderung, Staunen und völlig neue Erlebnisse. Der /die Vermittlerin braucht Geduld,  Offenheit und Hintergrundwissen  vor allem Interesse an der Kunst UND an den Besuchern.

Ab sofort kann man Führungen buchen unter www.kunstunddialog.de oder unter www.getyourguide.com.

1 Kommentar

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