Rose_DrinkIn Afrika fressen die Boas die Schimpansen. Und in München steht die Künstlerin Edie Monetti morgens um 6.30 in ihrem Studio und malt Bilder, die man anfassen will.

Der visuelle Mainstream unserer Tage verlangt nach Pastellfarben, nach wenig Kontrast, nach niedlichen Kakteen. Also nach der hunderttausendfach replizierten Wohlfühloptik, die zur Musik von Beach House und James Blake passt. Der in Watte gepackte Eskapismus von Mittelschicht-Kindern ohne existenzielle Sorgen, den man heute im Kaufhaus, im Coffeeshop und im Restaurant findet. Boring. So, so boring.

 

Edie Monetti

Edie Monetti. Foto: Gunnar Lillehammer

 

Wie wunderbar erfrischend es da doch ist, sich in der fantastischen Neonwelt von Edie Monetti zu verlieren. Sich an den satten Grün- und Gelbtönen zu delektieren, den groben Linien, den derben Oberflächen, den tausend Sterne tiefen dunkelblauen Galaxien und den wilden, menschenfressenden Tieren. Edie Monetti hat für sich einen künstlerischen Ausdruck gefunden, der anders ist als vieles, was uns heute als schön und zeitgeistig eingeredet wird. Und das ist ein großes Geschenk. Für sie und für uns.

King of the Kongs

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Coke Nike

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Prince of Wales (2)

Prince of Wales (2)

Jeden Morgen steht die Münchner Künstlerin um 6.30 Uhr in ihrem Studio vor bis zu drei Meter hohen Leinwänden und trägt dick auf: Ölfarbe und Sand auf Filz. Es muss Abgründe und Schmutz geben, sagt sie. Kunst brauche Dreck. Es ist ein schönes Kunstverständnis in einer Zeit, in der wir uns nicht weh tun wollen oder so durchschaubar kalkuliert an den Grenzen der political correctness provozieren, dass es einfach nur niedlich und bedeutungslos ist. Vielleicht wurde Edie Monetti’s künstlerische Haltung in ihren Zeiten als Punk geboren. Das ist mittlerweile fast ihr halbes Leben her. Aber Künstler wie Lou Reed oder ihr 2013 verstorbener Professor Günther Förg haben sie fortlaufend dahingehend inspiriert, dass Kunst das Abgründige, das Grobe, das Dunkle braucht, und damit den Punk in ihr am Leben gehalten. Punk is not dead. Ich wusste es!

 

Prince of Wales (1)

Prince of Wales (1)

München, dieses an existenziellen Abgründen arme und an satten Bürgerfamilien reiche Gesellschaftskonstrukt im Süden unserer Republik hält wenig stimulierenden Input für ein solches Kunstverständnis bereit. Auch deshalb reist Edie Monetti von den ersten Erlösen ihrer Bilder so oft wie möglich um die Welt. Dorthin wo es einsam ist – nach Afrika, Ozeanien oder Patagonien. Vergleichsweise zahnlos und nackt sei der Mensch inmitten dieser Natur. Ohne Smartphone und Kontakt zur Außenwelt ist die Existenz simpler. Edie Monetti fühlt sich dann befreit von den Schein-Dringlichkeiten des Alltags. Den Rückrufen und Deadlines, den Posts und Feeds, unserer hungrigen Aufmerksamkeits-Ökonomie.

Man Eater

Man Eater

Boa Constrictor Imperator

Boa Constrictor Imperator

Sie kehrt von ihren Ausflügen zurück mit einem von Trends und Nichtigkeiten befreiten Kopfkino, das sie mit pragmatischer Disziplin auf die Leinwand malt: Gefräßige Hippos, mörderische Krokodile, züngelnde Schlangen. Und dazwischen diese wunderbar intensiven Universen, die kein Anfang und kein Ende kennen. Und Coca-Cola Flaschen. Und Sneaker. Warum auch nicht?!

Manche Dinge muss man einfach gehen lassen und dann kommen sie irgendwann zurück, sagt Edie Monetti nach einer Weile beim Unterhalten. Auch das ist eine angenehme Haltung. „Ambition makes you look pretty ugly“ singt Thom York im Song Paranoid Android. Und weil das sehr wahr ist, ist die Kunst von Edie Monetti so strahlend schön.

 

Titelbild: Kunst x Kunz (3) Foto: Siegfried Wameser

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