Rose the Wye

Wenige Orte stehen so stellvertretend für das Berlin dieser Tage wie THE WYE. Auf 2.000 Quadratmetern arbeiten in der Skalitzer Straße in Berlin Kreuzberg Kreative aus den Bereichen Kunst und Technik an Innovationen. Unsere Reihe „Inside THE WYE“ stellt einige von ihnen vor. Schnappschüsse von einem Ort voller Ideen, Leidenschaft und Energie.

Heute: Boris Fauser, Maler

Es gibt viele Dinge, die man erwarten würde hinter dieser Tür im langen dunklen Gang des alten Post-Verwaltungsgebäudes von The Wye. Sicherlich aber nicht das: eine Farbexplosion! Im vierten Stock im fünften Raum auf der linken Seite liegt das Atelier des Malers Boris Fauser. Deshalb gibt es hier Farbe überall: in Farbtöpfen, Farbtropfen auf dem Boden, Farbe auf den Leinwänden, die zu Dutzenden an die vier Wände des Raumes gelehnt sind. Es sind abstrakte Bilder, Collagen aus Plastikfolien, abstrakte Bilder in schwarz-weiß, manche sind gespickt mit comicartigen Sprechblasen.

Foto: Aaron Bernheimer

Foto: Aaron Bernheimer

Mittendrin Boris Fauser, Künstler mit Philosophiestudium – 30 Jahre, dunkle Haare, Bart. Er lebt seit sieben Jahren in Berlin und arbeitet seitdem Vollzeit als Maler. Die Stadt gibt ihm viel Energie und Inspiration, sagt er. Die Arbeit außerhalb seiner eigenen Wohnung verschafft ihm einen freien Kopf, ein bisschen Abstand zu seinen Bildern und den Raum, sich auszutoben.

Foto: Aaron Bernheimer

Foto: Aaron Bernheimer

Seine Arbeitsweise ist prozessorientiert, spontan und intuitiv. Vermeintlich technische Fehler oder Unschönheiten sind gewollt. Es hört sich ein bisschen an wie spielen und entdecken, wenn er beschreibt, wie er arbeitet. Man könnte glatt neidisch werden. Seine Bilder entstehen in der Auseinandersetzung und ständigem Experimentieren mit Material, Farben und Formen. Es geht ihm um den Pinselstrich an sich und die unterschiedlichen Sprachen von Ölkreide und Sprühlack. Obwohl er studierter Philosoph ist, sind allzu verkopfte Arbeiten nicht so sein Ding. Manchmal steht er ratlos vor einer Arbeit und plötzlich passiert etwas.

#ExperimentierenUndEndecken

In seinen Bildern verarbeitet Boris Fauser unterschiedliche Eindrücke, die er im Alltag in sich aufsaugt beispielsweise im Internet oder in der Musik. Während der Arbeit hört er oft Hip-Hop, was ebenfalls seine Spuren hinterlässt. Seine Textpaintings spiegeln Zeitgeist und Jugendkultur. Es geht auch um Drogen, Sex und Nonsense. Man erkennt Digital Natives und ihre Sprache in Duktus und Inhalt. In einigen Bildern verweist er auf Werke anderer Künstler, beispielsweise auf Keith Haring. Wichtig ist ihm immer eine gewisse Ironie in seinen Arbeiten.

 

Bild und Foto: Boris Fauser

Bild und Foto: Boris Fauser

Für die Kunstkenner unter uns: Seine Einflüsse beschreibt Fauser aus dem abstrakten Expressionismus, aber auch aus Matter Painting, Pop Art und Dadaismus kommend. Künstler wie Cy Twombly, Franz Kline und Robert Rauschenberg sind prägend für ihn.

So wie seine Bilder eine Konsequenz aus seinen Eindrücken, Haltungen und kreativen Prozessen sind, kam es auch zu seiner Entscheidung, als Maler zu arbeiten. Während seines Philosophiestudiums setzte sich Fauser mit Ästhetik und Kunstphilosophie auseinander. Ihm wurde schnell klar, dass er nach seinem Abschluss als Künstler arbeiten möchte. Seitdem folgten Ausstellungen in New York, Hamburg und Berlin und auch erste Verkäufe an Sammler.

Sich als Künstler draußen zu zeigen, sich zu verkaufen, das ist die andere Facette des Künstlerdaseins – abseits der Farben im Atelier und den langen dunklen Gängen im Haus. Aber auch das gehört zu Boris Fausers Arbeit als Vollzeitmaler. Als nächstes steht ein Vertrag mit der Online-Galerie Curart und ab Ende Oktober eine Gruppenausstellung auf der Liste. Wir sind gespannt, was da noch kommt.

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