Rose NerdDer Sommer ist in vollem Gange und wer noch nichts zu lesen hat für Hängematte, Strand oder Bergwiese, dem legt Dr. Madny Read ein paar wundervolle Bücher ans Herz:

 

Für Outlaws: „Hart auf hart“ von T. C. Boyle

T. C. Boyle, Hart auf Hart

© Carl Hanser Verlag.

Nachdem ich die letzten Jahre (fast) sämtliche Boyle-Romane förmlich verschlungen habe, erwartete ich sein neuestes Werk mit Spannung. Und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Ich kann das neue Buch aus der inoffiziellen „Amerika“-Serie als Sommerlektüre bedingungslos empfehlen. Boyle schreibt erneut über Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft: von Adam, dem durchgeknallten Sohn des durchschnittlichen Middle-Class-Kriegsveterans, der lieber im Wald lebt und dort seine Marihuana-Pflänzchen hegt als die Lebensvorstellungen seines Vaters zu übernehmen; von ebendiesem Vater Sten, der nicht ganz so harmlos ist, wie man zunächst denkt und quasi Ausversehen während einer Urlaubsreise einen der Gangster tötet, die die amerikanische Dschungel-Reisegruppe überfällt und von Sara, die sich allem verweigert, was ihr „das System“ aufzwingen will – vom Anschnallen im Auto bis zu Tollwutimpfungen für ihren rasta-haarigen Hund. Diese drei begeben sich in ein Ringen mit- und gegeneinander, in eine wilde Jagd mit der Polizei, zwei haben ungestümen Sex, alle Erwartungen und Enttäuschungen, gewalttätige Exzesse und vorsichtig-absurde Liebeleien. Angesiedelt zwischen haarscharfer Gesellschaftsanalyse und leicht überdrehter Freakshow lässt einen das Buch garantiert nicht gelangweilt auf der Sonnenliege zurück.

„Hart auf hart“ von T.C. Boyle, aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Carl Hanser Verlag, 2015. 398 Seiten, 22,90 Euro.

 

Für Utopisten: „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq

Michel Houellebecq, Unterwerfung

© Dumont Verlag.

Ähnlich real beschrieben, aber zugleich mit absolut phantastischen Zügen, ist das neueste Werk von Michel Houellebecq. Im Januar erschienen, erlangte es schlagartig Berühmtheit mit den unfassbaren Anschlägen auf die Redaktion von  „Charlie Hebdo“ in Paris. Der Autor entwirft im Buch einen Wahlausgang pro Muslimbruderschaft und die daraus resultierende, von den Sozialisten unterstützte und damit demokratisch legitimierte, Islam-orientierte Regierung. Auch Houellebecq entwirft ein Gesellschaftsbild –  eines, das einerseits vorstellbar und andererseits auch nahezu absurd ist. Würde tatsächlich ein Großteil der Franzosen eine Partei mit einem auf dem Islam basierenden Parteiprogramm wählen? Würde eine solche Partei tatsächlich als erstes die Universitäten der französischen Hauptstadt schließen und Frauen aus Lehrpositionen entfernen? Dieses Gedankenspiel kann der Leser mitspielen oder sich auf Francois konzentrieren, der, typisch männlicher Houellebecq-Protagonist, ein Frauen- und ein Alkoholproblem zugleich hat. Der entscheidungs- und irgendwie auch charakterschwach und alles in allem kein Sympathieträger ist. Sex spielt natürlich eine Rolle (wie könnte es anders sein) und auch die positiv besetzte Vorstellung von Polygamie der männlichen Figuren im Roman passt ins Houellebecq’sche Welt- und Literatur-Bild. Ein spezielles Buch für Liebhaber und zurückgezogene Sommer-Orte würde ich sagen.

„Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek. Dumont Buchverlag, 2015. 272 Seiten, 22,99 Euro.

 

Für Sensible: „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk

Zsuzusa Bank. Die hellen Tage

© S.Fischer Verlag

Eine absolute Empfehlung für heiße Tage auf dem Land und meine Entdeckung 2013: In „Die hellen Tage“ beschreibt Zsuzsa Bánk einen scheinbar nie enden wollenden Sommer im Leben zweier Freundinnen. Die Mädchen Seri und Aja wachsen in Süddeutschland auf, beide leben – mehr oder weniger – allein mit ihren Müttern, Ajas Vater der Zirkuskünstler bringt einmal im Jahr Magie und Farbe in die schwerelose, glückliche Zeit der Kinder. Gemeinsam mit Karl schließen die beiden Freundschaft (fürs Leben?) und gelangen doch jeder für sich an die Grenzen derselben. Ganz und gar nicht kitschig, dafür magisch, traumhaft und ganz besonders feinfühlig ist dieses zweite Buch der Schriftstellerin, die als Tochter ungarischer Eltern in Deutschland aufwuchs. Man fühlt sich selbst zurückversetzt in die heißen Sommertage unserer Kindheit, die nach Gras, Staub und Sonne duften und an denen die Zeit stillzustehen schien. Die ZEIT schrieb, Bánks Roman sei nicht ganz von dieser Welt und dieser Einschätzung kann ich mich zusammenfassend nur anschließen: ein feines, wundervolles Buch, dem man sich nicht nur diesen Sommer nur schwer entziehen kann.

„Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk, S. Fischer Verlag, 2011. 544 Seiten, 21,95 Euro, als Taschenbuch 9,99 Euro.

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