Rose_GedankenEin Tisch ist ein Tisch, ein Stuhl ist ein Stuhl und eine Uhr ist eine Uhr. Warum machen sich Designer eigentlich die Mühe wieder und wieder das Rad neu zu erfinden? Im vorliegenden Fall wurde mit einem universellen Gestaltungsansatz aber tatsächlich eine ganz außergewöhnliche Uhr entwickelt. Für alle! Aus der Reihe Everyday Essentials.

Sie ist im wahrsten Sinne ein Alltagsobjekt. Bevor das mobile Telefon anfing, auch über die Zeit Auskunft zu geben, gehörte die mehr oder weniger auffällig gestaltete Armbanduhr zum ultimativen Accessoire. Aber auch trotz – oder vielleicht gerade wegen – des Smartphone-Booms bleibt die Nachfrage nach den tragbaren Zeitmessern ungebrochen. Sie bestehen aus unterschiedlichen Formen, Farben, Materialien, mehr oder weniger luxuriös gestalteten Ausstattungen und ihre Preise liegen in etwa so weit auseinander wie die beiden Pole der Erde. Und sie alle tun vor allem eines: sie weisen uns auf das Fortschreiten der Zeit hin.

Warum aber ein Beitrag über Uhren in dieser Rubrik, die den Blick auf die essentiellen, im Wimmelbild unserer Alltagswelt mitunter verborgenen Qualitäten der Dinge? Gerade im Fall des jungen Design-Startups eone lohnt es sich der Frage nachzugehen, warum sich ein Unternehmen aufgemacht hat noch ein Produkt zu entwerfen, von dem es gefühlt so viele Varianten gibt, wie Sterne am Himmel.

„Good design is universal, considering everyone – from all backgrounds and walks of life“ eone

Bei der auffällig gestalteten Uhr mit dem martialisch anmutenden Gehäuse werden Stunden und Minuten nämlich nicht – geschützt von einer Glasscheibe – durch zwei Zeiger, sondern durch Metallkügelchen angezeigt, die über zwei getrennte Lager im Kreis wandern und mit den Fingern betastet werden können. Am äußeren Ring verläuft die Stunden-Kugel, innen, dicht neben den Markierungen für Stunden und Minuten, wandert eine Kugel für die Minutenanzeige im Kreis. ‚The Bradley‘ wurde entwickelt, um sowohl sehenden als auch sehbehinderten Nutzern gerecht zu werden. Ganz einfach und selbstverständlich und ohne auf gutes Design verzichten zu müssen.

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The Bradley Element

Benannt ist die Uhr, deren erste Ausführung im Übrigen durch eine der erfolgreichsten Kickstarter-Kampagnen ermöglicht wurde, nach dem US-Amerikaner Brad Snyder. Der in Afghanistan bei einer missglückten Bombenentschärfung erblindete Navy-Leutnant, trat ein Jahr später bereits bei den Paralympics an und gewann mehrfach Gold.

Gutes Design mit universellem Anspruch

Die Relevanz Dinge zu gestalten, die Menschen mit unterschiedlichen physischen Voraussetzungen nutzen können – die sozusagen universell verwendbar sind – ist zwar beträchtlich, eine Umsetzung in gestalterische Prozesse findet aber nach wie vor selten statt. Der Produkt-Branche, deren Hauptfokus zur Zeit vornehmlich auf der Adaption und Reproduktion bekannter Objekt-Szenarien liegt, täten solche Herangehensweisen jedoch gut. Sie könnte sich Herausforderungen stellen, die neue Zugänge zu Gestaltungsansätzen bieten – jenseits des Form-Eklektizismus, bei dem sich Sinn und Bedeutung der Dinge längst nicht mehr erschließen.

Und nicht zuletzt: Mehr Produkte wie die des ambitionierten Herstellers eone ermöglichen es, den Weg in eine inklusive Gesellschaft nicht nur durch die Brille der Toleranz zu betrachten, sondern machen, auch durch das Erwecken von Begehrlichkeiten, Inklusion zu ihrem integralen Bestandteil.

Brad02Brad_01Fotos: eone-time.com

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