Rose Kranich ReiseDer Berlin Art Prize ist ein alternativer Kunstpreis. Im Juni wird er zum zweiten Mal verliehen. Die Zahl der Teilnehmer ist überwältigend.

Von Mario Münster.
Ein Kunst hungriges Baby haben sie geboren. Und es will gefüttert werden. 1.200 mal bekam es in den vergangenen Wochen Nahrung. Es gibt vier Eltern, die ihren kleinen Schatz so sehr lieben, dass sie ihm momentan jeder jede Woche dreißig Stunden Zeit widmen – neben dem eigentlichen Job natürlich. So ist das mit jungen Eltern. Sie sind übermüdet aber glücklich. Und so ist das mit den meisten Kreativen im Berlin dieser Tage: Daily Business für die Kohle und Nachtschichten für die Dinge, die sie lieben und die Berlin sexy machen.

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Die Frauen und der Mann hinter dem Berlin Art Prize. Foto: © Kristin Loschert

Ach so, worum geht es hier eigentlich? Um den Berlin Art Prize und um die Menschen, die diese irre Idee nun im zweiten Jahr mit einem Füllhorn voller Leidenschaft verfolgen. Die beeindruckende Zahl 1.200 bezieht sich auf die Zahl der Einreichungen für diesen unabhängigen und in Eigenregie entstehenden Kunstwettbewerb. Wer noch Zweifel daran hatte, wie viel künstlerisches Potential in Berlin steckt, der sollte sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Wer länger als sechs Monate in Berlin lebt, der darf mitmachen. Die Beiträge kommen folglich von Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Herkunft: Japan, Schottland, England, Deutschland.

Der Berlin Art Prize wurde im Jahr 2013 von vier Kunstbegeisterten Freunden gegründet: Sophie Jung (Kunsthistorikerin und Journalistin), Zoë Claire Miller (Künstlerin und Kuratorin ), Alicia Reuter (Kunstkritikerin und Redakteurin ) und Ulrich Wulff (Maler). Sie alle hatten die Nase voll davon, dass selbst in Berlin nur noch die immer gleichen Künstler und die immer gleichen Galerien in aller Munde waren. Und die Kunstpreise werden finanziert von Unternehmen. Dabei spürten sie, dass es viel zu viele junge Künstler gibt, die nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Mit der übergeschnappten Ironie, die alle ereilt, die etwas aufbauen, nannten sie ihr Baby kurzerhand Berlin Art Prize. Klingt wie DER etablierte Kunstpreis einer Hauptstadt. Ist aber ein Projekt aus dem Wohnzimmer. Aber was heißt das schon bei diesem Zulauf?!

Alicia Reuter, die ich zum Gespräch traf, kam aus Pittsburgh über Florenz nach Berlin und beobachtet als Kunstkritikerin schon lange die Kunstszene der Stadt. Sie ist sich sicher, dass der Berlin Art Prize wie kaum ein anderer Wettbewerb in Berlin einen repräsentativen Überblick über die Kunstszene der Stadt liefert.

Als Bewohner des Berlins dieser Tage könnte man meinen, dass es so etwas wie einen gemeinsamem Stil oder verbindende Themen bei den eingereichten Projekten gibt. Dem ist jedoch überhaupt nicht so, sagt Alicia. Die verschiedensten Themen und Stile spielen eine Rolle. Der einzige gemeinsame Nenner sei die Lust am Experimentellen. Das passt, nun ja, dann irgendwie doch ganz gut zum Berlin im Jahr 2014.

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Aus den 1.200 Einreichungen wählten die Macher des Preises ihre 100 Lieblinge aus. Aus diesen hat eine Jury nun 27 Projekte für den Preis nominiert. Zu Jury gehören Cosima von Bonin ( Künstlerin ), Kimberly Bradley ( Kunstkritikerin ), Judith Hopf ( Künstlerin, Professorin an der Städelschule Frankfurt ), Egill Saebjörnsson ( Künstler ) und Nicolaus Schafhausen ( Kurator, Direktor der Kunsthalle Wien ).

Die Preisverleihung findet am 14. Juni statt. Vom 16. bis 29. Juni gibt es eine Ausstellung mit einem begleitenden Veranstaltungsprogramm im Kühlhaus Berlin , Luckenwalderstraße 3. Die 27 nominierten Projekte können dann auch in einem Ausstellungskatalog bewundert werden.

Crowdfunding-Kampagne des Berlin Art Prize

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Berlin Art Prize bei ROSEGARDEN #ON AIR

Titelfoto: © Patrick Burkhardt. BerlinArtPrize_Team.

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