Rose Kranich Reise

Fast fünf Jahre nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima und dem nur wenige Monate später gefällten Beschluss des Bundestages zum Atomausstieg, hat die Autorin und Regisseurin Mia Grau mit dem Architekten und Gestalter Andree Weissert eine Edition von 19 Schmucktellern aufgelegt. Darauf abgebildet: die deutschen Atomkraftwerke, eingebettet in romantischer Landschaftsidylle. Ein zynischer Abgesang auf die einst als „Kathedralen einer technologischen Weltanschauung“ gefeierten Bauwerke und ironische Reflexion einer neuen Heimatsehnsucht.

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Atomtelller reloaded

Manch einer kann sich vielleicht noch an die Wandteller an Omas Wohnzimmerwand erinnern. Sorgfältig neben und untereinander aufgereihte, mit heimatlichen Motiven bemalte, kollektive Erinnerungsstücke in blau-weiß. Bei uns zuhause etwa sehr beliebt: die Weihnachtsteller der Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen mit idyllischen Landschafts- und romantischen Familienmotiven. Aber die Zeit folkloristischer Heimatteller, selbst gestickter Tischdecken, der guten Sonntagsgeschirre, dunkelbrauner Holzmöbel und Perserteppiche war irgendwann vorbei oder fristete in muffigen Kellerräumen ein tristes Dasein, während die leer und luftig geräumte Wohnungen endlich Platz zum Atmen versprachen.

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Denkmäler des Irrtums: spülmaschinenfest

Heimatidylle reloaded

Die Zeiten ändern sich. Wir kehren zurück zu bewährten Vorbildern, selbstbestrickten Winterpullis, Mützen und Pulswärmern, zu Teppichen mit üppigen Dekoren, dunklen, schweren Möbeln und Alltagsdingen aus wertigen Materialien. Doch neben den Neu-Auflagen bewährter Klassiker von „damals“ gelingt es einigen Designern dem Diktat des Zeitgeistes zu entkommen und etwas erfrischend Neues zu schaffen.

Mia Grau und Andere Weissert ist dieses Kunststück gelungen. Hochironisch und klug verbinden sie die Romantik des Schmucktellers mit dem Abgesang an den Fortschrittsglauben der Atomkraft. Und wie das Motiv der Heimatteller zum kollektiven Gedächtnis unserer Kultur gehört, „werden die Atomteller weiter an das erinnern, was für die nächsten 17 Millionen Jahren bleibt: der strahlende Müll.“

Hergestellt werden die Atomteller traditionsgerecht in der Manufaktur Reichenbach in Thüringen. Sie sind auf der Website des Projektes sowie in zahlreichen Läden deutschlandweit erhältlich. Übrigens auch im praktischen Geschenkkarton.

www.atomteller.de
Bilder: www.atomteller.de

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Landkarte der „Kathedralen des technologischen Fortschrittsglauben“

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